„Palettenware" ist ein Sammelbegriff und kein Produkt. Er umfasst neuwertige Aktionsware ebenso wie ungeprüfte Kundenretouren, sortenreine Ladungen ebenso wie gemischte Restposten — und der Preis pro Palette sagt für sich genommen nichts darüber aus, welche davon Sie bekommen.
Die Warenklassen und ihre Toleranzen behandeln wir ausführlich im Leitfaden zu Retourenpaletten. Diese Seite geht den anderen Weg: welche Art Palettenware zu welchem Absatzkanal passt, und ab wann sich welche Losgröße rechnet.
Sortenrein oder gemischt — die Entscheidung vor allen anderen
Sortenreine Ware ist ein Artikel in Menge. Ein Modell, eine Größe, eine Farbe, hundertfach. Kalkulierbar, schnell einzustellen, ein Foto reicht für den ganzen Posten. Das Risiko ist konzentriert: verkauft sich der Artikel nicht, verkauft sich nichts.
Mischpaletten enthalten Dutzende bis Hunderte verschiedener Artikel. Das Risiko streut, aber jeder Artikel muss einzeln gesichtet, fotografiert, beschrieben und bepreist werden. Der Wareneinsatz ist niedrig, der Zeiteinsatz hoch — und Zeit ist bei kleinen Händlern die knappere Ressource.
Die ehrliche Faustregel:
| Ihr Kanal | Passt |
|---|---|
| Ladengeschäft, Wochenmarkt, Restpostenmarkt | Mischpaletten — Auswahl ist das Verkaufsargument |
| Online-Marktplatz, eigener Shop | Sortenrein — Listing-Aufwand pro Artikel ist der Engpass |
| Bin-Store / Grabbelmarkt | Mischpaletten, bewusst kleinteilig |
| Export, Weiterverkauf an Händler | Sortenrein, möglichst in Ladungsgröße |
| Fachhandel mit engem Sortiment | Sortenrein, kategoriegebunden |
Wer online verkauft und Mischpaletten kauft, bezahlt den niedrigen Wareneinsatz mit Arbeitsstunden. Das kann sich rechnen — aber es muss in die Kalkulation, und in den allermeisten Angebotsseiten steht es nicht.
Von der Einzelpalette zur Komplettladung
Die Losgröße verändert den Einkaufspreis pro Stück erheblich, aber nicht gleichmäßig — der größte Sprung liegt zwischen Einzelpalette und Teilladung, und das liegt an der Fracht, nicht an der Ware.
Einzelpalette. Der Einstieg, und der richtige Weg, eine neue Kategorie oder einen neuen Lieferanten zu testen. Der Frachtanteil pro Stück ist hier am höchsten.
Teilladung (LTL / Stückgut). Mehrere Palettenstellplätze im Sammelverkehr. Ab etwa drei bis fünf Palettenstellplätzen sinkt der Frachtanteil deutlich.
Komplettladung (FTL). 33 Europaletten-Stellplätze im Standard-Sattelzug, beziehungsweise rund 13,6 Lademeter. Die günstigste Fracht pro Stück — aber Sie kaufen dann in einem Zug so viel, wie Sie in Wochen absetzen müssen, und tragen Lagerung und Kapitalbindung.
Der Fehler beim Aufstieg ist fast immer derselbe: die Losgröße wächst schneller als der Absatz. Eine Komplettladung, die neun Monate steht, ist teurer als drei Teilladungen, die sich drehen — auch wenn der Stückpreis niedriger aussah.
Warum bei der Fracht das Volumen zählt
Speditionen berechnen nicht nur Gewicht. Maßgeblich sind meist der Palettenstellplatz und der Lademeter — also die Grundfläche, die Ihre Ware im Auflieger belegt.
Praktisch heißt das:
- Standardmaße kennen. Europalette 120 × 80 cm, Industriepalette 120 × 100 cm. Eine Ware, die auf die größere Palette gepackt ist, kostet mehr Fläche und damit mehr Fracht.
- Stapelbarkeit fragen. Eine nicht stapelbare Palette belegt den Platz für zwei. Bei sperriger, leichter Ware verdoppelt das die Frachtkosten pro Stück, ohne dass sich am Gewicht etwas ändert.
- Packhöhe erfragen. „Eine Palette" kann 80 cm oder 220 cm hoch sein. Der Unterschied ist der Faktor, um den sich Ihre Kalkulation verschiebt.
Die Konsequenz für den Einkauf: voluminöse Ware mit niedrigem Stückwert — Gartenmöbel, Haushaltsgroßteile, Kissen und Textilien in Vollvolumen, große Spielwaren — ist genau dann eine Falle, wenn der Palettenpreis besonders attraktiv aussieht. Die vollständige Rechnung mit Speditionsanteil steht im Retourenpaletten-Leitfaden.
Was Sie zu jedem Posten abfragen sollten
Sechs Angaben, ohne die sich Palettenware nicht bepreisen lässt:
- Anzahl Palettenstellplätze — nicht „Paletten", sondern Stellplätze.
- Palettenmaß — Euro oder Industrie.
- Packhöhe und ob die Paletten stapelbar sind.
- Gesamtstückzahl und Verpackungseinheit.
- Sortenrein oder gemischt, und bei gemischt: wie viele verschiedene Artikel.
- Ab Lager oder frei Haus, netto oder brutto — also zzgl. MwSt. oder inklusive.
Fehlt Punkt 1 oder 3, ist der Frachtanteil nicht berechenbar, und damit ist der Posten nicht bewertbar. Das ist kein Detail: bei niedrigpreisiger Ware entscheidet die Fracht häufiger über die Marge als der Einkaufspreis.
Drei Fehler, die beim Einstieg Geld kosten
Nach dem Stückpreis kaufen statt nach dem Stückerlös. Zwei Paletten zum selben Preis unterscheiden sich im Ergebnis oft um den Faktor drei. Maßgeblich ist, was nach Ausschuss, Fracht und Ihrem eigenen Aufwand pro verkaufsfähigem Stück übrig bleibt.
Kategorie wechseln, um einen guten Preis mitzunehmen. Ein günstiger Posten in einer Kategorie, die Sie nicht verkaufen, ist kein günstiger Posten. Er ist Lagerfläche.
Die zweite Bestellung vergrößern, bevor die erste verkauft ist. Der Stückpreis sinkt, die Kapitalbindung steigt, und der Absatz hat sich noch nicht bewiesen. Warten Sie die Durchverkaufsquote der ersten Lieferung ab — sie ist die einzige belastbare Zahl, die Sie über Ihren eigenen Kanal haben.
Wie wir arbeiten
SITONAI ist ein Großhandelshaus, kein Portal — keine Mitgliedschaft, keine Grundgebühr. Wir beobachten laufend Verwertungs-, Insolvenz- und Restpostenplattformen in 13 Ländern, bewerten jeden Posten gegen aktuelle Marktpreise und rechnen die Landekosten dagegen, einschließlich Fracht für die tatsächliche Losgröße und Route.
Wenn Sie uns sagen, in welchen Kategorien und in welcher Größenordnung Sie einkaufen, melden wir uns nur mit Posten, die dazu passen. Was wir dabei nicht leisten, steht offen in unserer Methodik.
FAQ
Was bedeutet Palettenware?
Es ist ein Sammelbegriff für Ware, die palettenweise gehandelt wird — und keine Zustandsangabe. Darunter fällt neuwertige Aktionsware ebenso wie ungeprüfte Kundenretouren, sortenreine Ware ebenso wie gemischte Restposten. Aussagekräftig wird ein Angebot erst mit Warenklasse, Stückzahl, Sortenreinheit und Palettenstellplätzen.
Sortenrein oder Mischpalette — was ist besser?
Das hängt am Absatzkanal, nicht an der Ware. Wer online verkauft, zahlt bei Mischpaletten den niedrigen Wareneinsatz mit Arbeitsstunden für Sichtung und Listing; sortenreine Posten sind dort in der Regel wirtschaftlicher. Wer im Ladengeschäft, auf dem Wochenmarkt oder im Restpostenmarkt verkauft, für den ist die Auswahl einer Mischpalette gerade das Verkaufsargument.
Wie viele Paletten passen in einen LKW?
In einen Standard-Sattelzug passen 33 Europaletten-Stellplätze, entsprechend rund 13,6 Lademetern. Nicht stapelbare Ware belegt entsprechend mehr Fläche — eine nicht stapelbare Palette beansprucht den Platz von zwei, was die Frachtkosten pro Stück verdoppelt, ohne dass sich am Gewicht etwas ändert.
Ab wann lohnt sich eine Komplettladung?
Erst, wenn Ihr Absatz sie trägt. Der Frachtanteil pro Stück sinkt deutlich, aber Sie binden Kapital und Lagerfläche in einer Menge, die Sie über Wochen absetzen müssen. Der häufigste Fehler ist, die Losgröße schneller wachsen zu lassen als den Absatz: eine Komplettladung, die neun Monate steht, ist teurer als drei Teilladungen, die sich drehen.
Was muss ich zu einem Palettenposten erfragen?
Anzahl der Palettenstellplätze, Palettenmaß (Euro oder Industrie), Packhöhe und Stapelbarkeit, Gesamtstückzahl und Verpackungseinheit, sortenrein oder gemischt, sowie ob der Preis ab Lager oder frei Haus und netto oder brutto gilt. Ohne Stellplätze und Stapelbarkeit lässt sich der Frachtanteil nicht berechnen — und damit der Posten nicht bewerten.